Zeitarbeit und Leiharbeit – Fahrtkosten und Verpflegungsmehraufwendungen absetzen
Kann man Zeitarbeit und Leiharbeit – Fahrtkosten und Verpflegungsmehraufwendungen bei der Steuer absetzen?

Zeit- und Leiharbeitnehmer sind bei den Zeitarbeitsfirmen angestellt, verrichten ihre Arbeit aber bei anderen Unternehmen.
Das hat Auswirkungen auf die Höhe der Werbungskosten, wenn die erste Tätigkeitsstätte nicht beim Ort der Tätigkeit liegt.

Leih- und Zeitarbeitnehmer sind bei der Zeitarbeitsfirma (Verleiher) angestellt und werden für einen Zeitraum an ein anderes Unternehmen (Entleiher) ausgeliehen, um dort zu arbeiten.
Diesen Vorgang nennt man auch Arbeitnehmerüberlassung. Diese Besonderheit kann Auswirkungen auf die Höhe der Werbungskosten für die Arbeitnehmer haben.

Leih- oder Zeitarbeitnehmer verrichten Ihre Arbeit nicht an dem Ort des Unternehmens, bei dem sie angestellt sind. Die Tätigkeit wird bei dem Unternehmen ausgeübt, an das der Zeitarbeiter im Rahmen der Arbeitnehmerüberlassung ausgeliehen wurde. Dies wirkt sich auf die Fahrtkosten und die Verpflegungsmehraufwendungen in der Steuererklärung aus. Dabei ist es ab dem Jahr 2014 wichtig, wo bei dem Arbeitnehmer die »erste Tätigkeitsstätte« liegt. Vor dem Jahr 2014 war der Leiharbeitnehmer immer auswärts tätig und durfte die Besonderheiten bei den Werbungskosten in Anspruch nehmen.

Durch das neue Reisekostenrecht ab 2014 ist die Regelung etwas eingeschränkt worden. Wenn der Arbeitnehmer seine erste Tätigkeitsstätte nicht beim Entleiher / aufnehmenden Unternehmen hat, greifen die Besonderheiten bei den Werbungkosten.

erste Tätigkeitsstätte

Wenn folgende Kriterien eintreten liegt die erste Tätigkeitsstätte nicht beim Entleiher / aufnehmenden Unternehmen:

  • kein Arbeitsvertrag mit dem Entleiher/aufnehmenden Unternehmen,
  • Arbeitnehmer ist dem Entleiher nicht unbefristet im Arbeitsvertrag zugeordnet,
  • Zuordnung zum Entleiher erfolgt nicht für die Dauer des gesamten Dienstverhältnisses mit dem Verleiher oder
  • Zuordnung zum Entleiher über einen Zeitraum von weniger als 48 Monaten hinaus.

Wenn die erste Tätigkeitsstätte nicht beim Entleiher bzw. dem Unternehmen liegt, bewirkt das folgendes für die Werbungskosten:

Fahrtkosten

Kosten für Wege zur Arbeit können statt mit 30 Cent pro Entfernungskilometer, mit 30 Cent pro zurückgelegtem Kilometer angesetzt werden. Die ansetzbaren Werbungskosten pro Arbeitstag verdoppeln sich damit.

Bei 230 Arbeitstagen und 10 km Weg zum Entleiher kann dann statt 690 € ein Betrag von 1.380 € als Fahrtkosten für die Wege zur Arbeit angesetzt werden.

Berechnung: 230*10 km*2*0,3 € = 1.380 €.

Verpflegungsmehraufwendungen

Für die ersten drei Monate an einer neuen Einsatzstelle können Verpflegungsmehraufwendungen angesetzt werden. Die Arbeitstage werden hier ähnliche wie Dienstreisen behandelt. Bei mehr als 8 Stunden Abwesenheit von daheim und der üblichen Arbeitsstelle (also dem Verleiher), können 12 € Verpflegungsmehraufwendungen pro Tag angesetzt werden.

Bei Beginn des Arbeitsverhältnisses und Ausleihung am 01.01. können für die Arbeitstage von Januar bis März jeweils Verpflegungsmehraufwendungen angesetzt werden. Angenommen in diesem Zeitraum gab es 60 Arbeitstage mit mehr als 8 Stunden Abwesenheit, dann können 60*12 € = 720 € Verpflegungsmehraufwendungen als Werbungskosten geltend gemacht werden.

rechtliche Frage

Die speziellen Regelungen zu den Werbungskosten bei Leiharbeitnehmern und Zeitarbeitnehmern könnten sich ändern. Dazu ist beim Bundesfinanzhof ein Verfahren anhängig (Az.: VI R 6/17). Bei dem Urteil ist zu entscheiden, ob steuerlich eine dauerhafte Zuordnung zum Entleiher möglich ist. Dann wäre nur die normale Fahrtkostenpauschale und keine Verpflegungsmehraufwendungen ansetzbar.


Steuer Lexikon
    Keine verwandten Links gefunden!
Verwandte Artikel